Physics & astronomy · 1905

Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?

Albert Einstein

Annalen der Physik · 4th series · vol. 18 · 1905

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27 September 2026
License
Public domain
Rights holder
Albert Einstein, 1905
Language
German
About this edition and its rights

Edition

German Wikisource transcription (marked “korrigiert”), made from the scan of Annalen der Physik, 4th series, vol. 18 (Leipzig: Johann Ambrosius Barth, 1905), pp. 639-641, on the Internet Archive (annalenderphysi143unkngoog) and on Wikimedia Commons (File:Einstein-Energieinhalt.djvu), checked word by word and formula by formula against that scan. Corrected against the scan: “leeren Baum” to “leeren Raum” (p. 639); the signs of (H0 - E0) - (H1 - E1), for which Wikisource has plus signs (p. 640); the full stop that ends the equation for H0 (p. 640); “Betrag,” to “Betrag.” (p. 641). The title and “von A. Einstein.” are in the header, whose byline restates in English the closing lines “Bern, September 1905. (Eingegangen 27. September 1905.)”, which stay at the end of the text; the article number “13.”, running heads, page numbers and the sheet signature “42*” are left out, and hyphens at line ends are rejoined. The two footnotes keep their numbers and follow the text. Letter-spaced names stay letter-spaced. The equations are set with KaTeX: the equations for E0 and H0, and those for H0 - E0 and H1 - E1, are each one aligned display as in the scan, the parentheses around the coordinate triples (x, y, z) are set with the letters they enclose, and the multiplication point of “9 . 10^20” keeps its spaces.

Rights

Albert Einstein died on 18 April 1955, so his works are in the public domain in France since 1 January 2026 (70 years counted from 1 January 1956). The paper was published in 1905, before 1 January 1931, so it is in the public domain in the United States.

Die Resultate einer jüngst in diesen Annalen von mir publizierten elektrodynamischen Untersuchung1 führen zu einer sehr interessanten Folgerung, die hier abgeleitet werden soll.

Ich legte dort die Maxwell-Hertzschen Gleichungen für den leeren Raum nebst dem Maxwellschen Ausdruck für die elektromagnetische Energie des Raumes zugrunde und außerdem das Prinzip:

Die Gesetze, nach denen sich die Zustände der physikalischen Systeme ändern, sind unabhängig davon, auf welches von zwei relativ zueinander in gleichförmiger Parallel-Translationsbewegung befindlichen Koordinatensystemen diese Zustandsänderungen bezogen werden (Relativitätsprinzip).

Gestützt auf diese Grundlagen2 leitete ich unter anderem das nachfolgende Resultat ab (l. c. § 8):

Ein System von ebenen Lichtwellen besitze, auf das Koordinatensystem bezogen, die Energie ; die Strahlrichtung (Wellennormale) bilde den Winkel mit der -Achse des Systems. Führt man ein neues, gegen das System in gleichförmiger Paralleltranslation begriffenes Koordinatensystem ein, dessen Ursprung sich mit der Geschwindigkeit längs der -Achse bewegt, so besitzt die genannte Lichtmenge — im System gemessen — die Energie:

wobei die Lichtgeschwindigkeit bedeutet. Von diesem Resultat machen wir im folgenden Gebrauch.

Es befinde sich nun im System ein ruhender Körper, dessen Energie — auf das System bezogen — sei. Relativ zu dem wie oben mit der Geschwindigkeit bewegten System sei die Energie des Körpers .

Dieser Körper sende in einer mit der -Achse den Winkel bildenden Richtung ebene Lichtwellen von der Energie (relativ zu gemessen) und gleichzeitig eine gleich große Lichtmenge nach der entgegengesetzten Richtung. Hierbei bleibt der Körper in Ruhe in bezug auf das System . Für diesen Vorgang muß das Energieprinzip gelten und zwar (nach dem Prinzip der Relativität) in bezug auf beide Koordinatensysteme. Nennen wir bez. die Energie des Körpers nach der Lichtaussendung relativ zum System bez. gemessen, so erhalten wir mit Benutzung der oben angegebenen Relation:

Durch Subtraktion erhält man aus diesen Gleichungen:

Die beiden in diesem Ausdruck auftretenden Differenzen von der Form haben einfache physikalische Bedeutungen. und sind Energiewerte desselben Körpers, bezogen auf zwei relativ zueinander bewegte Koordinatensysteme, wobei der Körper in dem einen System (System ) ruht. Es ist also klar, daß die Differenz sich von der kinetischen Energie des Körpers in bezug auf das andere System (System ) nur durch eine additive Konstante unterscheiden kann, welche von der Wahl der willkürlichen additiven Konstanten der Energien und abhängt. Wir können also setzen:

da sich während der Lichtaussendung nicht ändert. Wir erhalten also:

Die kinetische Energie des Körpers in bezug auf nimmt infolge der Lichtaussendung ab, und zwar um einen von den Qualitäten des Körpers unabhängigen Betrag. Die Differenz hängt ferner von der Geschwindigkeit ebenso ab wie die kinetische Energie des Elektrons (l. c. § 10).

Unter Vernachlässigung von Größen vierter und höherer Ordnung können wir setzen:

Aus dieser Gleichung folgt unmittelbar:

Gibt ein Körper die Energie in Form von Strahlung ab, so verkleinert sich seine Masse um . Hierbei ist es offenbar unwesentlich, daß die dem Körper entzogene Energie gerade in Energie der Strahlung übergeht, so daß wir zu der allgemeineren Folgerung geführt werden:

Die Masse eines Körpers ist ein Maß für dessen Energieinhalt; ändert sich die Energie um , so ändert sich die Masse in demselben Sinne um , wenn die Energie in Erg und die Masse in Grammen gemessen wird.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei Körpern, deren Energieinhalt in hohem Maße veränderlich ist (z. B. bei den Radiumsalzen), eine Prüfung der Theorie gelingen wird.

Wenn die Theorie den Tatsachen entspricht, so überträgt die Strahlung Trägheit zwischen den emittierenden und absorbierenden Körpern.

(Eingegangen 27. September 1905.)

  1. 1
    A. Einstein, Ann. d. Phys. 17. p. 891. 1905. ↑
  2. 2
    Das dort benutzte Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist natürlich in den Maxwellschen Gleichungen enthalten. ↑